Die Hamburger Tactica 2015

Am 21. und 22. Februar hat sich für mich eine Premiere ereignet. Zum ersten Mal in meinem Leben als Miniaturen-Hobbyist habe ich die Tactica in Hamburg besucht. Die Tactica ist ein jährlich in der Hansestadt stattfindendes Tabletopevent, bei dem Püppchenschubser jeglicher Art zusammenkommen, um ihrem gemeinsamen Hobby zu frönen. Seit nun zehn Jahren gehört die Veranstaltung zu den festen Größen in der Szene.

Meine Erwartungen sind bereits in den ersten Stunden völlig übertroffen worden. Händler und Demotische ohne Ende! Ok, das ist sicherlich etwas übertrieben, dennoch haben es mein Begleiter Sebastian und ich an diesem Tag nicht einmal geschafft, uns alle Räume anzuschauen. Dies hat sicher unter anderem daran gelegen, dass wir zunächst in aller Ruhe sämtliche angebotenen Waren der Händler durchstöbert haben. Wo bekommt man sonst (live) so eine große Auswahl an Miniaturen, Gelände, Basierungsmaterial und Zubehör geboten?! Einige der Anbieter habe ich bis dato nicht einmal gekannt oder hatte zumindest noch nie die Miniaturen persönlich begutachten können. So haben es mir vor allem die Resinminis von Brother Vinni und Black Scorpion angetan. Sicherlich mag Brother Vinni die eine oder andere diskussionsbedürftige Miniatur im Angebot haben (*hust* Boobies, Fesselspielchen und nochmal Boobies *hust* – Anmerkung: Hey, warum ist der Typ eigentlich noch nicht auf die Idee gekommen ein „Fifty Shades oft Grey“ Spiel zu entwickeln?). Aber es gibt ja auch recht normale Figuren in seinem Sortiment. Davon mal abgesehen hat Brother Vinni wirklich ein Händchen für’s Modellieren und zaubert einige wirklich brillante Püppchen aus dem Hut. Dasselbe gilt für die Briten von Black Scorpion. Die Western- und Piratenreihe ist schlichtweg ein Traum. Ich freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind, meine Beute mit Farbe zu versehen.

Von den Händlern mal abgesehen, stehen bei der Tactica natürlich Demo- und Partizipationsspiele im Vordergrund. Hier haben wir uns die Zeit genommen, um drei verschiedene Systeme anzutesten.

Als erstes haben wir die Full Thrust Academy von Mechworld.de absolviert. Full Thrust ist ein schon recht altes Strategiespiel, das auf Raumschlachten basiert. Das Regelsystem ist recht komplex, doch die Jungs und Mädels von Mechworld haben sich die wichtigsten Regeln rausgezogen und bieten unter anderem deutschsprachige Schnellstartregeln zum Download an. Diese Schnellstartregeln sind recht simpel und so ist das Probespiel bereits ab der zweiten Runde recht flüssig von der Hand gegangen. Erstaunt hat mich vor allem, dass Full Thrust auch schon die sogenannte  „Exploding Six“-Mechanik (bei einer gewürfelten 6 erhält man einen zusätzlichen Würfelwurf) zu Grunde liegt. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Spartan Games die „Erfinder“ der explodierenden Sechs seien. Davon abgesehen ist Full Thrust ein cooles Weltraumschlachtsystem, das aus meiner Sicht vor allem durch sein modellbaukastenartiges Profilsystem besticht. So lassen sich eigene Schiffprofile erstellen und endlich die Frage beantworten, ob ein Sternzerstörer die Enterprise platt machen kann.

Am Abend haben wir noch bei der Behind Omaha Platte vorbei geschaut, deren Bau ich auf Hadi’s Blog gespannt verfolgt habe. Die Platte, die ein franzöisches Dorf in der Normandie während des zweiten Weltkriegs darstellte, ist mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt und sogar von dem Orga-Team der Tactica zur schönsten Spielplatte 2015 gekürt worden. Natürlich haben wir nicht nur das tolle Spielfeld bestaunen, sondern nach einer kurzen Einführung von „Panzer“ das Regelwerk Behind Omaha selbst einmal ausprobieren wollen. Unser Szenario hat sich um einen Auszug aus der historischen Schlacht um Villers-Bocage gedreht, bei der am 13. Juni 1944 deutsche und alliierte Panzerverbände südlich von Caen bei Villers-Bocage aufeinander getroffen sind. Das Szenario selbst hat sich „Tigerjagd“ genannt. Ziel des Szenarios ist es gewesen, mit 3 Cromwellpanzern und einem Sherman Firefly das Tiger-Ass Michel Wittmann auszuschalten. Für jemanden, der sich nicht mit den historischen Gegebenheiten auskennt, klingt das erstmal ziemlich unfair. Vier gegen einen?! Das Problem an der Sache ist, dass die deutschen Panzer damals technisch den alliierten Pendants überlegen gewesen sind. Vor allem die Cromwells haben fast kein Land gegen einen Tiger-Panzer gesehen. Einzige Hoffnung: der Sherman Firefly, welcher eine gewisse Chance gehabt hatte, der Großkatze eine „zweite Futterluke“ zu verpassen. Behind Omaha ist von einem kleinen Team von Hobbyisten selbst erstellt worden und steht zum kostenlosen Download zur Verfügung. Das Regelwerk wird von der Community fortlaufend weiterentwickelt. Daraus resultiert ein einfaches und schnell zu erlernendes System, welches sich durch baukastenartige Module komplexer gestalten lässt. Aus meiner Sicht ist Behind Omaha vom Schwierigkeitsgrad (zumindest was die Panzerschlachten betrifft) vergleichbar mit Bolt Action. Das Spiel selbst war sehr kurzweilig und hat viel Spaß gemacht. Da zum Schluss nur noch der Tiger und ein Cromwellpanzer übrig und bewegungsunfähig gewesen sind, haben wir uns auf ein Unentschieden geeinigt.

Den ersten Tag haben wir dann auf beim All-You-Can-Eat-Buffet zusammen gemütlich ausklingen lassen.

Am Sonntag ist in dem Bürgerhaus des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg deutlich weniger los gewesen. Das haben wir genutzt, um ein weiteres Probespiel zu machen. Diesmal haben wir die … Arrrrgh … Piratensäbel gezückt und uns in die fantastische Welt von Freebooters Fate entführen lassen. Eine Welt in der Piraten, Goblin-Piraten, die Imperiale Armada, Amazonen, Kultisten und eine Bruderschaft aus Assassinen jeweils eine Crew aus ungefähr 6-15 Mann bilden und sich danach an die Gurgel gehen. Das Interessante an dem System ist, dass es komplett ohne Würfel auskommt. Bei einem Kampf sucht sich der Angreifer in der Regel aus sechs Trefferzonenkarten zwei Stück aus. Kopf, Torso, Unterleib, Beine, linker Arm und rechter Arm sind die möglichen Trefferzonen. Der Verteidiger versucht zu erahnen, welche Körperteile angegriffen werden könnten und wählt selbst drei Zonen aus, die er decken will. Wird einer der angegriffenen Trefferzonen nicht vom Verteidiger gedeckt, so ist dies ein Treffer. Kommt der Angreifer bei zwei Körperteilen durch, handelt es sich um einen kritischen Treffer. Das Kampfsystem von Freebooters Fate gleicht daher eher einem Pokerspiel – sehr innovativ!

Vor und nach dem lustigen Probespiel haben wir die Zeit noch etwas genutzt, um die Händler unsicher zu machen und uns die Themenräume in der ersten Etage anzuschauen. Thema der diesjährigen Tactica sind die Napoleonischen Kriege gewesen. Ich muss zwar zugeben, dass die zum Teil riesigen Spieltische, auf denen gleich mehrere Spieler historische Schlachten im Zeitalter Napoleons ausgetragen haben, zwar beindruckend anzusehen waren, aber unseren Geschmack nicht vollends getroffen haben.

Abschließend muss ich sagen, dass die Tactica echt ein Highlight gewesen ist. Noch nie habe ich sooo viele Hobbyisten, so viele Tabletophändler und -systeme und -genres auf einem Haufen gesehen. Da ist echt für jeden was dabei. Egal ob Historisch, Fantasy, Sci-Fi oder Pulp, hier ist jedes Genre vertreten.

Fazit: Tactica 2016, ich komme!

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Eine Antwort zu “Die Hamburger Tactica 2015

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