Review: DW2.0 – alles neu macht der Mai

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Die „Commodore Edition“ des neuen Regelbuchs

Als Ende Mai die neue Regeledition (Version 2.0) von Dystopian Wars  aus dem Hause Spartan Games erschienen ist, war ich zugegebenermaßen ziemlich aus dem Häuschen. Warum? Nun ja, ich verfolge und spiele das Spiel mittlerweile seit der Erstankündigung. Seitdem hat sich das Spiel jedoch stark entwickelt.

Mittlerweile gibt es über 500 Modelle für das Spiel. Da ein Spiel, in dem sich jedes Modell wie das andere spielt ziemlich langweilig wäre, mussten Sonderregeln her … und davon jede Menge. Doch gerade das tat dem Spiel aus meiner Sicht nicht unbedingt gut. Zum Schluss gab es wohl um die 180 Sonderregeln. Wer soll da schon einen Durchblick haben?

In der neuen Regeledition wurden nicht nur die Sonderregeln überarbeitet und zusammengefasst, vielmehr wurden die gesamten Regeln einer starken Überarbeitung unterzogen.

Dazu ist das Ganze noch hübsch verpackt worden. 320 Seiten, vollfarbig im Hardcover mit Kunstledereinband, Golddruck und Seitenanzeiger für 36€? Das lässt sich sehen! Jeder der das für teuer hält, sollte mal beim Marktführter Games Workshop vorbeischauen. Da kostet ein etwa 200 Seiten starkes Hardcoverbuch 65€ – ohne Kunstleder und Schnicki-Schnacki.

Alles schön und gut. Doch was taugt die neue Regeledition nun wirklich?

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ein kleiner Blick ins Buch

Wenn es eine Sache gibt, die ich in den letzten beiden Editionen (1.0 und 1.1) vermisst habe, dann ist das eine Übersicht – eine Übersicht im Sinne von einem Index und einer Zusammenfassung aller wichtigen Tabellen. Die gute Nachricht ist: beides ist in DW 2.0 vorhanden. Die Schlechte?! Darüber lässt sich streiten. Wahrscheinlich sind meine Ansprüche zu hoch. Aber der Versuch 140 Seiten Regeln auf einer Doppelseite zu indizieren wirkt auf mich ein wenig wie der Versuch eine Sternenkarte der Milchstraße auf eine Streichholzschachtel zu drucken. Es ist daher eher reine Glückssache genau die Regel schnell zu finden, die man gerade sucht. Die Zusammenfassung aller wichtigen Tabellen ist gut, aber auch hier hätte man etwas übersichtlicher layouten können. Des Weiteren hätte man auch ruhig mal ein paar Kröten mehr ins Lektorat stecken können. Bereits die vorherigen Versionen steckten voller Fehler. Auch diese Version ist nicht fehlerfrei. So führte bei meinem ersten Testspiel ein fehlender Absatz dazu, dass wir eine bestimmte Sonderregel nicht finden konnten und davon ausgegangen sind, dass Spartan Games schlichtweg vergessen haben muss die Regel abzudrucken. Dem ist nicht so. Die Sonderregel „Fuel Reserves“ versteckt sich bloß direkt im Absatz von „Flame Retarded Armor“. Von diesem „kleinen“ Lapsus abgesehen habe ich bereits noch zwei weitere Textfehler entdeckt. Aber hey, sowas kann ja jedem mal passieren ;).

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neues Flotten-Trägerschiff der Preußen für DW2.0 (Quelle: Spartan Games)

Ansonsten kann ich über den Inhalt des Buches nicht meckern. Das Buch ist in mehrere Teile aufgeteilt, die verschiedene Bereiche des Spiels abdecken. Die ersten 50 Seiten behandeln die Hintergrundgeschichte des Konflikts in der Welt von Dystopian Wars – in Spielerkreisen „Fluff“ genannt. Dabei werden die sieben verschiedenen Hauptfraktionen und die daraus hervorgehenden beiden großen Bündnisse näher erläutert. Alle nachfolgenden Teile des Buches behandeln die Regeln selbst und sind unterteilt in Sektion A-E.

Sektion A geht auf das pure Basiswissen ein. Was wird zum Spielen benötigt, welche Werte gibt es, wie stellt man eine Streitmacht zusammen, etc. Sektion B umfasst den Spielablauf, Angriffe und Schaden und das Thema Muttests. Letztere sind übrigens in der neuen Edition echt gut umgesetzt. Hat man nach der alten Edition ohne die Game Cards gespielt, machten Muttests kaum einen Sinn. Modelle konnten dann bei einem verpatzen Muttest nur ihre Waffen nicht mehr zusammenlegen und nicht entern. Das hatte in meinen Spielrunden selten wirklich gravierende Auswirkungen. Nun, diese Regelungen sind in DW2.0 bestehen geblieben. Zusätzlich geht es dem gebrochenen Geschwader nun aber an die Substanz! So vierliert jedes Modell das einen Muttest verpatzt am Ende der Runde 1 HP oder 1 AP. Das kann gerade auf Dauer nicht nur das Ende eines Geschwader bedeuten sondern spiegelt in meinen Augen sehr schön wider, wie sich Soldaten ängstlich von Bord begeben um ihr Heil in der Flucht zu suchen oder sich die Ingeniere an Bord lieber in die Ecke verkrümmeln und ein Stoßgebet gen Himmel schicken, statt dringende Reparaturen auszuführen.

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neuer Angriffs-Träger der Russen für DW2.0 (Quelle: Spartan Games)

Sektion C nimmt neben Sektion E den größten Platz im Buch ein. Darin werden Kommando, Bewegung, Sichtlinien, die verschiedenen Waffen- und Munitionsarten, Entern und die Endphase behandelt. Auch hier verstecken sich großartige Neuerungen. So haben alle Waffen desselben Typs die gleichen Fähigkeiten. Teslawaffen zum Beispiel haben nicht auf Kreuzer X andere Regeln als auf Schlachtschiff Y. Das finde ich sehr angenehm.

In Sektion D geht es hauptsächlich um Sonderregeln. Damit meine ich nicht nur die Sonderregeln der einzelnen Modelle, die mittlerweile von besagten 180 auf übersichtliche 70 zusammengedampft wurden. Dort zu finden sind auch die Infanterie- und Tiny Flyer… oh pardon… Support Aircraft Squadron-Regeln (kurz: SAS). Die Integration von kleinen Jägergeschwadern und Infanterie fand ich schon immer gut und sinnvoll in dem Spiel. Jedoch waren die Regeln bisher immer seeeeeehr ausführlich und haben das Spiel durch das Mikromanagement der kleinen Einheiten unnötig in die Länge gezogen. Das gehört nun der Vergangenheit an. Zumindest kann ich das Aufgrund des Testspiels (auf das ich später noch zu sprechen komme) von den Jägergeschwadern sagen. Trägerschiffe und Jäger machen in DW2.0 echt Spaß und werden wohl mehr zum Einsatz kommen, als in den vorangehenden Editionen.

Der letzte Teil des Buches – Sektion E – enthält alle Modellprofile der sieben Hauptfraktionen…  ALLE? Nun ja, so dachte ich. Ich wurde eines besseren belehrt. Vielmehr handelt es sich um die Modelle, die in den neuen Starterboxen enthalten sind. Da alle anderen Werte von Spartan Games aber ohnehin auf deren Webseite zum kostenlosen Download angeboten werden, finde ich das nicht weiter schlimm.

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neues U-Boot der Amerikaner für DW2.0 (Quelle: Spartan Games)

Wie spielt sich DW2.0. denn nun?

Nachdem ich die Regeln durch hatte dachte ich so bei mir… Wow, das wird ein völlig neues Spiel. Dann kam das Testspiel und ich muss sagen, es spielt sich nach wie vor so wie DW… nur anders. Ok, diese Aussage hat wirklich 0 Argumentationskraft. Aber es ist wirklich so. Am eigentlichen Spiel, den Kernmechanismen, hat sich nicht viel verändert. Es wurde hier eine Stellschraube gedreht und dort; eben da wo es vorher eher gehakt hat. Ansonsten fügen sich alle anderen Änderungen sauber und flüssig ins Spiel ein. Wir haben zwar in besagten Testspiel wieder das Regelbuch gewältzt wie die Weltmeister, aber ich glaube wirklich dass man nach ein paar Spielen viele Mechanismen verinnerlicht hat. Das war früher auf Grund vieler Ausnahmeregelungen gar nicht möglich. Hey, das Spiel wird sich nie so „einfach“ spielen wie SAGA, X-Wing oder Bolt Action, aber das haben die Designer auch nie anstrebt, denke ich. Vielmehr ging es Ihnen darum zu vereinfachen und die Spielbalance wieder herzustellen, die gerade unter den letzten Veröffentlichungen etwas gelitten hatte. Und da haben die Designer und Beta-Tester ganze Arbeit geleistet. So kommt es, dass mich am meisten die neuen Modellprofilen überrascht haben und weniger die neuen Regeln. Viele alte Modelle spielen sich ganz neu, haben neue Rollen zugewiesen bekommen. Das ist schön und erfrischend. Jede Fraktion hat nun ihre ganz eigene Spielweise und das spiegelt sich durch die Bank weg in allen Profilen wider.

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neues schweres Schlachtschiff der Japaner für DW2.0 (Quelle: Spartan Games)

Das war auch im Testspiel zu merken. Ich muss zugeben, dass ich nie der beste Preußen-Taktiker war. Entsprechend bekamen meine Preußen bisher immer nur auf den Deckel… oder zumindest meistens. Der Schwerpunkt der Preußen den Nahkampf zu suchen, war mir schon immer bewusst. Wie oft verlor ich dennoch meine kostbaren Marines auf feindlichen Decks nur weil der Gegner noch mehr Marines in den Kampf schickte (Russen oder Chinesen), mich das Würfelglück verließ oder Ack-Ack-Batterien die eigenen Reihen ausdünnten bevor ich auch nur ein Schritt auf das gegnerische Schiff setzen konnte (Franzosen). Durch die neuen Crewtypen die im Nahkampf unterschiedlich stark sind, haben die Preußen durch gut ausgebildete Nahkampftruppen endlich den entscheidenden Vorteil. Die Testlawaffen sind nun entweder stärker, verlieren keine AD mehr bei Schaden oder können vermehrt zusammengelegt werden. Das Resultat: Die gegnerischen Truppen werden endlich genau an dem Nerv getroffen, den ich vorher meist nicht mal annähernd erreichen konnte.

Abschließen muss ich sagen, dass ich wirklich nach wie vor begeistern bin von der neuen Edition. Das Regelbuch ist jeden Euro wert (auch mit den oben aufgeführten Fehlern) und das Spiel macht mehr Spaß denn je. Ich freue mich schon auf viele neuartige DW-Partien. Partien die vertraut und doch ganz neu sein werden.

 

Hier noch ein paar interessante Links zum Thema DW2.0:

 

 

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Eine Antwort zu “Review: DW2.0 – alles neu macht der Mai

  1. Sehr schöner Artikel.
    Ich habe mir zwar fest vorgenommen, auf lange Sicht erst einmal mit keinem weiteren System anzufangen, aber ich glaube, ich werde trotzdem mal in das Regelwerk hineinschnuppern. 😉

    Gefällt mir

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