Der eiserne Anzug

Iron Man

Als ich vor einigen Jahren (das muss so 2009 rum gewesen sein) das erste Mal von „Iron Man“ gehört hatte, dachte ich „Meine Güte, noch so ne blöde Superhelden-Verfilmung“. Doch dann sah ich den Trailer zum Film. Mein Interesse war geweckt, stehe ich doch zugebenermaßen auf Filme, die mindestens ein brennendes, fliegendes Auto enthalten. Ob nun wirklich in dem Trailer ein solches zu sehen war, sei jetzt mal dahin gestellt…
Es dauerte noch eine Weile, bis ich den ersten Iron Man Film zu sehen bekam. Danach stand allerdings eines fest: Ich will so einen Iron Man Suit!

Doch wie das immer so ist mit den Wünschen, es verging eine Weile, bis mich ein Bild auf der Seite Cosplay.com auf eine interessante Möglichkeit brachte, meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. „Foam-Armor“ heißt das Stichwort. Rüstungen aus Schaumstoff – sogenannter EVA-Schaumstoff oder Moosgummi.

Klingt erstmal völlig strange. Die Idee dahinter ist aber schlichtweg genial: Das Material ist günstig, biegsam, lässt sich leicht schneiden und kleben und ist zugleich widerstandsfähig.

Nach kurzer Recherche fand ich ein Tutorial auf Youtube und theprf.com. Es stammt von „Stealth“, der in seiner sehr lässigen Art beschreibt, wie einfach es doch ist, sich einfach mal so einen eisernen Anzug zu basteln.
Ich folgte also dem Video-Tutorial und fand mich wenige Tage später in einem Wohnzimmer voller Moosgummi-Schnipsel wieder.

Mit Hilfe des Programmes „Pepakura“ werden Schablonen für die einzelnen Teile der Rüstung ausgedruckt, auf das Moosgummi übertragen, ausgeschnitten, mit Heißkleber zusammengeklebt und anschließend wird das Material mit verdünntem Holzleim versiegelt. So die Kurzversion des gesamten Prozesses. Natürlich muss das Ganze auch noch lackiert werden. Aber über ungelegte Eier soll man sich ja bekanntlicher Weise keine Gedanken machen. Also eins nach dem anderen…

Iron Man

Begonnen habe ich mit dem Helm, da er am charakteristischsten ist für den Suit und zugleich mit am schwierigsten. Er enthält viele Rundungen, die mit Hilfe eines Heißluftföns erst mühseelig geformt werden müssen – möglichst gleichmäßig natürlich.
Ich kam sehr schnell voran mit dem Helm. Und nach gut einem Wochenende hielt ich meinen ersten fertigen „Foam-Armor“-Helm in den Händen. Schön und gut… aber der Helm war eine Katastrophe!
Er war zum einen viel zu klein, so dass ich gar nicht mit meinem Kopf hineinkam, zum anderen war das Visier total verzogen.

Also bestellte ich erneut Material. Ich habe für den Helm übrigens 4mm starkes Bastelmoosgummi verwendet.
Beim zweiten Versuch vergrößerte ich die Pepakura-Ausdrucke auf 115 Prozent. Ich hatte außerdem einiges aus meinem ersten Helm gelernt und fasste so an mehreren Stellen Schablonen-Teile zusammen, um unnötige Nahtstellen zu vermeiden.
Das alles funktionierte perfekt… bis ich wieder zum Visier kam. Erneut passte alles hinten und vorne nicht. Ich googelte und fand heraus, dass es auch anderen so ging. Anscheinend hatte der Künstler, der das Pepakura 3D-Modell geschaffen hatte, irgendwo einen Denkfehler gehabt. Da saß ich also mit meinem Kram. Etwas frustriert legte ich den Helm zur Seite, nur um ihn wenige Minuten später wieder in den Händen zu halten. Es muss doch irgendwie möglich sein, dieses Visier passend zu machen. Letzten Endes verhalf mir mein räumliches Vorstellungsvermögen zu einer Lösung: Ich veränderte die Schablone entsprechend meiner Vorstellungen und siehe da, es funktionierte! Und nicht nur das Visier passte. Nein! Mein Eierkopf passte darüber hinaus auch noch in den Eimer! Perfect World!

Iron Man

Als nächstes versiegelte ich den Schaumstoff. Dazu verdünnt man Holzleim solange mit Wasser, bis er eine milchartige Konsistenz erreicht. Die Versiegelung ist nötig, um die fertigen Rüstungsteile später lackieren zu können. Der Lack haftet sonst nicht an dem Moosgummi oder jedenfalls nicht lange.

Ich hatte noch etwas von meinem 4mm Moosgummi übrig. Also machte ich mich an weitere Teile. Da ich meinen Suit von oben nach unten bauen will – also von Kopf nach Fuss^^ – folgten der Hals und die Schultern.

Danach war das Moosgummi aufgebraucht und ich schaute mich nach einem neuen dickeren Material für die Rüstung um, da ich wohl mit einer 4mm dicken Rüstung nicht lange Spaß haben würde. Für filigrane Teile wie Helm, Schultern und Hals kann man dieses gut verwenden. Für alle Teile, die etwas mehr strapaziert werden reicht die Materialstärke aber nicht aus.

Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie es mit dem Anzug weitergeht. Über den aktuellen Stand des Iron Man Projektes könnt ihr euch HIER informieren.

Bis dahin verabschiede ich mich mit einem:

Suit up! Be awesome!

Minolta DSC

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10 Antworten zu “Der eiserne Anzug

  1. Da ich in nächster Zeit auch vorhabe, einen Iron Man Anzug aus EVA nachzubauen, hätte ich eine kleine Frage.
    Das normale, in Deutschland erhältliche Moosgummi ist ja sehr weich, wo ist das in dem Bericht verwendete her? Wäre es möglich den Link dazu zu bekommen?

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  2. Hi MarkVI,

    das ist in der Tat so ein Thema für sich. Ich habe verschiedene Materialien ausprobiert. Für dem Helm empfehle ich dir bei ebay nach einem 4mm dicken Moosgummi zu suchen. Da müsstest du eigentlich fündig werden. Bei den Schultern und dem Kragen macht es evtl. auch Sinn, diese mit dem selben Material anzufertigen, da sie sehr viele rundliche Elemente enthalten und sich normales Moosgummi sehr gut mit einem Heißluftfön verformen lässt. Für alle anderen Rüstungsteile (habe bisher auch nur die Brustplatte fertig und bin gerade an der Rückenpanzerung dran), werde ich wohl diese Interlock Puzzelmatten in 10mm Stärke verwenden (http://www.amazon.de/SCHUTZMATTE-BODENMATTE-INTERLOCK-PUZZLEMATTE-ST%C3%9CCK/dp/B004GUEAK6). Die gibts auch bei ebay. Ich werde dazu aber sicherlich demnächst auch ein Update hier posten.

    Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen!

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    • Wie im Beitrag geschrieben muss Holzleim so lange mit Wasser verdünnt werden, bis er eine milchartige Konsistenz hat. Die Grundierung wir mit einem Pinsel in mehreren Schichten aufgetragen und dient als „Brückenelement“ zwischen dem Schaumstoff und der Farbe mit der das Ganze dann lackiert wird. Macht man das nicht hält wahrscheinlich nicht nur die Farbe nicht sondern wird diese ggf. auch den Schaumstoff angreifen.

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  3. Mega cool!

    Vllt hast Du das ja schon getan:
    Kannst Du Deine Bastelausrüstung mal Posten?
    Messer, Cutting Mat, Heißluft Fön
    Und vor allem: Wo hast Du Deine Schnittmuster her? 🙂

    Ich bastele gerade an einem Wikinger Helm und Schulterpanzer.

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  4. Die Schnittmuster sind aus dem Internet. Zugegebenermaßen weiß ich gar nicht mehr so genau die Quelle nach so langer Zeit. Einfach mal nach Pepakura und dem gewünschten Objekt suchen. An Farben verwende ich Montana Gold Sprühlacke. Die genauen Farbtöne findest du auch hier auf dem Blog im zweiten Iron Man Projekteintrag. Was den Kleber betrifft, so benutze ich nur Heißkleber.

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  5. Pingback: Thermoplasten im LARP reloaded | Teilzeithelden - Rollenspiel-, LARP- und Phantastikmagazin·

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